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Fotografie in Vollendung? Nur mit Vollenda! :-)
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02.04.18 22:19
Laufboden 

BZF-Master

02.04.18 22:19
Laufboden 

BZF-Master

Fotografie in Vollendung? Nur mit Vollenda! :-)

Hallo miteinander,

alles nur Kameras aus einer einzigen Baureihe eines einzigen Herstellers, aus maximal 5 Baujahren ...
Nagel war wohl der kreativste aller Kamerakonstrukteure des 20. Jahrhunderts.

Beschreibungen jeweils von links nach rechts.
Die 620 firmiert als "Kodak", sie hat Format 5x7,5cm (Kodak 620-Film). Die meisten Kodaks für 620er-Film sind nicht von Nagel.
Die 68 wird am Aufsteller als "Nagel" benannt, am Verschluß steht "Kodak-A.G. Dr.Nagel-Werk Stuttgart" (das sonst identisch aussehende Modell, selbes Objektiv, selber Verschluß, gibt es auch mit Aufsteller "Kodak". Aber möglicherweise hat das dann z.B. Kunstleder-Bezug .. s.u.).
Die anderen Modelle verweisen nur auf Nagel.
Die 48 hat Format 4.5x6.
Keines der Modelle hat dasselbe Gehäuse wie ein anderes, sie sind zudem ungleich groß auch beim selben Filmformat 6x9cm.


70/0 72 620 68


70/1 72 620 68


48 70/1 620 72 70/1


48 70/1 70/0 620 72

Anmerkung: der Unterschied zwischen der 70/0 und der 70/1 ist "im Prinzip" lediglich, daß die 70/1 einen Klappsucher hat.
Die 70/1 hier ist allerdings aus einem früheren Modelljahr als die 70/0 - und damit sehr unterschiedlich zu ihr.
Da die /1-Notierung typisch für besser als das Grundmodell ausgestattete für Nagel-Kameras ist, insbesondere mit Klappsucher, oft mit teurerem Objektiv, wird die hier vorgestellte 68 gelegentlich als 68/1 bezeichnet.
Zu einigen Modelle gibt es eine Luxusausführung in braunem Leder, die wird dann mit Modellnummer/2 bezeichnet.
Die /2-ausführung hat i.d.R. besseren Verschluß und besseres Objektiv als die einfache Ausstattung der /0 (ist also nicht generell besser bestückt), die /1 ist meist auch wertiger bestückt als die /0.
Frühe Versionen sind ohne diese Spezialisierung.

Zur Filmentnahme muß natürlich die hintere Wand geöffnet werden:
72: Aufklappen über die lange Seite. Die Seitenteile sind in der Mitte geteilt (wie bei den allermeisten ähnlichen Kameras).
48, 620: Aufklappen über die lange Seite. Die Seitenteile sind ungeteilt, sie klappen nicht mit auf.
70/0: seitliches Aufschieben (siehe aber Anmerkung oben!)
70/1: Aufklappen über die kurze Seite. Beide Seitenteile sind jeweils ungeteilt. Zuerst ist der mit "Nagel" beschriftete Hebel zu "lupfen", damit ist das rechtes Seitenteil und Rückwand ein paar mm nach rechts zu schieben, dann kann aufgeklappt werden. Das rechte Seitenteil klappt mit der Rückwand auf.
68: Aufklappen über die kurze Seite. Die Seitenteile sind geteilt.

Die Klappsucherrahmen sind alle unterschiedlich. Nur die 48 und die 620 haben optische Durchsichtsucher, die anderen nur Rahmen.
Einen Teil der Modelle gibt es auch unter der Bezeichnung "Kodak", die 5x7.5cm-Vollendas gibt's wohl nur als Kodak.
Kodak-Vollendas haben meist Kodak-Objektive.

Bei 70/0 und 70/1 die hinteren Bügel auf beiden Seiten. Die patentierten Steuerungskurven sorgen für gutes Schließen (einigermaßen senkrechter Stand des Objektivs).
Bei 68 und 72 sind zum Zusammenklappen die seitlichen Hebel auf beiden Seiten zu drücken. Das Schließen geht eher noch besser (bei der Konkurrenz waren die ersten derartigen Falten oft recht hakelig).
Bei 48 und 620 ist die Handhabe in der Mitte vorn herunterzudrücken.

Die meisten Vollenda-Modelle gibt es in Kunstleder- oder Lederbezug. Die Grundversion ( bzw. /0 ) ist i.d.R. mit Kunstlederbezug.

So, das waren nur die wichtigsten Merkmale und Unterschiede, es gibt weitere ...

Zur 620er gibt es übrigens u.a. mit den Modelljahren sehr viele unterschiedliche Varianten. Meine 620 war vermutlich keine "620 Junior" (KAD8090), denn die war üblicherweise als solche gekennzeichnet. Die "620 Junior" dürfte das Einstiegsmodell gewesen sein (wie unterschied die sich aber genau?)
Eine gleiche 620 wie meine habe ich mit "620 Junior"-Tasche und als solche angeboten gesehen. Ob das wirklich die Originalausstattung war? Möglich. Aber Taschen sind leicht austauschbar, und "originale" Taschen können den Verkaufspreis erhöhen ...
Nach Kadlubek etc. liegt es aber nicht fern, sie so einzuordnen ..
Emtus wiederum bestimmte, soweit ich sehe, dieses Modell als "Typ 110" (und gibt zudem KAD8020 an) - aber dieses Modell hat nach Kadlubek einen Gehäuseauslöser, das vorgestellte hatte den wie meine 620er aber nicht. Nach Collectiblend hat die 620 Typ 110 den Faltsucher zudem auf der linken Seite, nicht auf der rechten.
Nach Kerkmann sollte es das Modell von 1936 sein (KAD8030), und damit Typ 128.
Kurz zusammengefaßt: man glaube nichts und niemandem außer den eigenen Fehlbestimmungen ...

Grüße, Laufboden

Ergänzungen/Korrekturen: zur 620er-Bestimmung; ditto.

Zuletzt bearbeitet am 03.04.18 18:58

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04.04.18 13:12
Laufboden 

BZF-Master

04.04.18 13:12
Laufboden 

BZF-Master

Nagel + Kodak Vollenda: Qualität

Hallo miteinander,

die im Nagel-Werk produzierten Kameras, ob unter der Firmierung Nagel oder Kodak, waren für ihre Qualität bekannt.
Aus heutiger Sicht gibt es da nur wenig Einschränkungen:

  • für Modelle mit Rückteil zum Aufschieben jedes Herstellers (z.B. auch Zeiss Cocarette) gilt: speziell Zeiss warb mit extra leichter und eleganter Handhabung. In der Praxis stellte sich bald heraus, daß vielfach durch an sich unwesentliche Verformung z.B. des Rückteils (mehr oder weniger dünnes Blech!) die Handhabung hakelig wurde. Das ist kaum voll rückgängig zu machen. Deshalb wurde diese Gestaltung bald aufgegeben, deshalb gibt es nur wenig solche Kameras, was diese andererseits wieder für Sammler interessant macht
  • die frühen Vollendas waren die größten und schwersten, spätere haben trotz kleinerer Größe ähnliche Stabilität. Bei der 68er als kleinster und leichtester meiner 6x9-Vollendas ist das seitlich aufklappbare Rückteil vollständig aus bezogenem/lackierten Aluminiumblech. Das macht dieses deutlich empfindlicher als die Rückteile der anderen, deren Gerüst aus Stahlblech ist. Geschlossen ist auch die 68 sehr stabiler, aber auch hier kann Öffnen und Schließen zwecks Filmwechsels ein wenig erschwert sein
  • kurze Dauer bis zur Fotografierbereitschaft war damals schon ein wichtiges Werbeargument. Das führte zu Konstruktionen, die schnelles Aufklappen ermöglichten, teils mit automatischer Einstellung auf unendlich oder alternativ Erhalt der Entfernungseinstellung vor dem Schließen. Der Klappmechanismus der 68 und der 72 wird zwecks blitzartigem Aufklappen von einer starken Feder unterstützt. Bei vielen Plattenkameras gibt es einen Druckausgleich, oft dadurch, daß Mattscheiben abgeschrägt sind. Bei Rollfilmkameras war das nicht üblich. Folgen: insbesondere bei meiner 68 ist der Balgen durch den dabei entstehenden Unterdruck seitlich leicht kissenförmig gebeult. Das Blech der Rückwand ist leicht eingebeult, insbesondere bei der 68 (Alu-Blech!), aber auch das der 72, wenn auch deutlich weniger (Stahlblech)
  • im Vergleich zum Rädchen-Compur zeigt der neuere, kompliziertere Radcompur, wenngleich absolut gesehen sehr hohe, relativ doch deutlich geringere Dauerstandfestigkeit. Zwar hat letzterer im Gegensatz zum anderen Blendenlamellen aus Stahlblech, was das Gegenteil erwarten ließe, aber anscheinend fordert eine größere Präzision bei kleineren Toleranzen Tribut, und noch zartere Federchen brechen ggf. schneller (auch der Rost kann schneller erfolgreich sein ..). Beim Radcompur der 72 sorgte das zerbrochene Haltefederchen für B/T nicht nur für den vollen Ausfall von B/T, sondern auch dafür, daß der Auslöser nicht zurückschnellte, und der Compur auch sonst sporadisch blockierte. Denn vermutlich wegen Bemühungen zur "Behebung" dieses Fehlers von außen war ein Hebel innen stark verbogen. Eine passende Ersatzfeder zu biegen erlaubt mein Werkzeug nicht, aber B und T sind jetzt "im Prinzip" wieder einstellbar, der Zeitauslöser funktioniert jetzt regulär, und mit einigem Gefühl ist sogar B wieder möglich


Grüße, Laufboden

Zuletzt bearbeitet am 04.04.18 13:15

15.04.18 13:08
Freier-Sascha 

BZF-Master

15.04.18 13:08
Freier-Sascha 

BZF-Master

Re: Fotografie in Vollendung? Nur mit Vollenda! :-)

Hallo,
ich bin auch von den Nagel-Kameras begeistert. Sie sind überdurchschnittlich robust und immer elegant, liegen wunderbar in der Hand und das Design...

Ich habe nur eine Vollenda, und zwar die Kleinste, für 127iger Film im Format 3x4cm.
Etwa vor 20 Jahren sah ich sie im Schaufenster vom Foto-Hirrlinger in Stuttgart bei den "Gebrauchten Kameras" stehen. Wochenlang tigerte ich immer wieder um das Schaufenster herum - denn sie war mit 145 Mark für mich damals schon recht teuer. Schliesslich gab ich mir einen Ruck und erwarb sie - ich habe es nicht bereut.
Das Echtleder am Gehäuse hat eine schöne braune Farbe angenommen. Alles funktioniert. Die Kameranummer 168761. Verschlussnummer: 2789339 = 1933/34. Das Objektiv ist ein lichtstarkes Tessar 2,8 / 5cm mit der Nummer 1417358. Die Entfernungsskala ist in Meter. Im Fernauslösergewinde ist ein Nagel-Auslösestift geschraubt, wie er auch bei den frühen Retinas vorkam.



Grüssle

Freier-Sascha

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15.04.18 15:24
Rainer 

Administrator

15.04.18 15:24
Rainer 

Administrator

Re: Fotografie in Vollendung? Nur mit Vollenda! :-)

Hallo Freier-Sascha,


sind da in den Klappsucherteilen der Vollenda für 127-Film optische Elemente drinnen? Sieht fast so aus,
wenn man auf den Fotos durch die Sucherflächen auf den blauen Hintergrund sieht.



Grüße von Haus zu Haus
Rainer (Forumbetreiber)

Aus Negativ wurde Positiv. Pixel sind nicht alles, aber ohne Pixel ist alles nichts.
Fotoapparate sind Zeitmaschinen, sie können die Vergangenheit erhalten.
Ein Leben ohne Facebook ist möglich, aber (und) sinnvoll.

Zuletzt bearbeitet am 15.04.18 15:27

15.04.18 15:33
Freier-Sascha 

BZF-Master

15.04.18 15:33
Freier-Sascha 

BZF-Master

Re: Fotografie in Vollendung? Nur mit Vollenda! :-)

Hallo Rainer, ja, dass ist ein optischer Klappsucher mit Glaselementen!
Freier-Sascha

15.04.18 15:39
Laufboden 

BZF-Master

15.04.18 15:39
Laufboden 

BZF-Master

Re: Fotografie in Vollendung? Nur mit Vollenda! :-)

Hallo Rainer,

Rainer:
sind da in den Klappsucherteilen der Vollenda für 127-Film optische Elemente drinnen? Sieht fast so aus,
wenn man auf den Fotos durch die Sucherflächen auf den blauen Hintergrund sieht.
nein, ungewöhnlich ist das nicht. Bei der Nagel Vollenda 48 ist ein optischer Sucher zumindest eher der Normalfall, ist zumindest auch bei meiner so.
Bei der Nagel'schen Kodak Vollenda 620 gab's auch Modelle mit Linsen im Sucher, eine solche habe ich.

Grüße, Laufboden

Nachtrag:
Kadlubek nennt unter:
NAG0290 Vollenda 48/0 Xen./Tess./Elmar 2,8/3,5/4.5 Nagel/Pronto S; mit Durchsichtssucher (Anm.: also nicht optisch)
NAG0300 Vollenda 48/1 Radionar 3,5/50 Compur/Comp.R.; wie vor, opt. Sucher + Schärfetiefering

D.h., sieht man von der so überraschenden wie unglaubwürdigen Beschränkung bzgl. Objektivbestückung ab, sind beide Nagel 48, die von Freier-Sascha und mir, bei Kadlubek unter "NAG0300 Vollenda 48/1" zu finden (beide haben opt. Sucher + Schärfetiefering, meine 1:3.5/50 Tessar in Compur, die von Freier-Sascha eins mit 1:2.8).

Die 48er, die Sepplbauer vorgestellt hat, hat allem Anschein nach auch einen optischen Durchsichtssucher, aber keinen Schärfetiefering.
Ist in Kadlubek-Notation quasi also eine 48 / Drei Viertel - was von dem Elmar ja deutlich unterstrichen wird (das wird ja zusammen mit der Nagel mit Gold aufgewogen!)

Zuletzt bearbeitet am 23.04.18 19:25

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Dauerstandfestigkeit   Fotografierbereitschaft   Objektivbestückung   Durchsichtssucher   Gehäuseauslöser   herunterzudrücken   Fernauslösergewinde   überdurchschnittlich   Klappsucherrahmen   Originalausstattung   Steuerungskurven   Schärfetiefering   Kadlubek-Notation   Kamerakonstrukteure   Vollenda   Freier-Sascha   Klappsucherteilen   Entfernungseinstellung   Nagel-Auslösestift   Entfernungsskala