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Der Zentralverschluss
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13.10.17 15:58
Laufboden 

BZF-Master

13.10.17 15:58
Laufboden 

BZF-Master

Re: Der Zentralverschluss

Tengor:
.. Trotzdem hole ich z.B. bei auf 15% verdünnter Salzsäure meine Perlatoren und Wasserhahn-Abschlüsse mit der bloßen Hand raus. Phosphorsäure macht Rostschichten weich (Öl tut das nicht), sodaß sie mit weniger Kraft abpoliert werden können.
Bei verdünnter Salzsäure fehlt mir die Erfahrung.
Als Werkstudent sollte ich mal vertretungsweise, wohlgemerkt mit Schutzhandschuhen und Gasabzug, Teile in Tri baden (Trichloräthylen). Nach einer halben Stunde mußte ich aufgeben - satter Hautausschlag.
Aber ich kannte jemand, der griff jahrzehntelang täglich stundenlang mit bloßer Hand in Tri und Per, "Was soll das machen? Mir tut das nix. Was für Weicheier!".
Bis er etwa 35 war. Danach ging nichts mehr. Umschulung zum technischen Zeichner. Arbeit nur mit Bleistiften aus unbehandeltem, rohen Holz. Am Körper nur unbehandelte Stoffe, Anfassen nur reines Glas. Der kleinste Spülmittelrest, und die Haut war offen - selbst in seiner Stammkneipe war das Anfassen des Bierglases ein unkalkulierbares Risiko.
Klar, den Rost am Autounterboden wird man mit Öl nicht beeindrucken. Aber selbst der ungewöhnlich intensive Rost - bis etwa 1mm dick! - in dem obigen Kameraverschluß schon. Im übrigen hat die gesamte dort geschilderte Behandlung einschließlich des Polierens die Beschichtung, wo sie noch erhalten war, nicht merklich beschädigt. Auf die etwa 50% der Fläche der Verschlußblätter, auf denen sie fehlte, kam ein Hauch Schmiermittel (gaaanz wenig, einziehen lassen, dann mit Iso fast alles wegputzen). So ungewöhnlich ist das nicht - leider sind die ab Werk verwendeten Mittel eher in für Amateure viel zu großen Gebinden erhältlich und damit sehr teuer (gilt schon für Poliermittel - die 2x 1kg unterschiedlicher Körnung reichen bei mir bis etwa ins Jahr 3000).
Tengor:
An Rost gehe ich schon mal mit maschineller Drahtbürste oder Sandstrahl ran, aber nicht bei Lamellen. Die will man nicht spanabhebend restaurieren, sie haben ja wohl ihre fein ausgetüftelten Abmessungen und genau berechnetes Gewicht.
Das ist es eben. Die klassischen Mittel verbieten sich generell. Jede der im Maschinenbau sonst üblichen Behandlungen würde, so nebenbei, die Bauteile verformen und damit zerstören. Industriell hieße es natürlich "neues Teil nehmen". Gibt es bei den alten Kameras, mit denen ich üblicherweise zu tun habe, nicht. Außer, zugegeben, bei so häufigen Kameras wie hier der Werra.
Tengor:
Wie man blankes Eisen in einem Kameraverschluß gegen künftigen Rost schützen will, weiß auch auch nicht. ..
Doch, das geht. Ganz blank geht natürlich nicht. Mir ist nichts, was ich entrostet habe, wieder verrostet. Nur dann, wenn ich meinte, auch weniger Putzen würde reichen, mußte ich z.B. einen Compur nochmal aufmachen. Nicht wegen Rost, sondern wegen zuviel Klebendem (Öl). Im übrigen gilt auch hier wie sonst im Maschinenbau "Rost ist der beste Rostschutz". Nur muß die Schicht dann viel, viel dünner sein. Ganz, ganz ein bißchen Graphit darf übrigens auch dabei sein und kann Wunder wirken. Das, was davon in die Optik marschiert, muß natürlich weg.
Das Wichtigste ist die Aufbewahrung der Kameras. Rost braucht Feuchtigkeit. Zu trockenes Klima ist auch schädlich. Bei 40-50% bei gelegentlich bis zu 60% relativer Feuchte und gleichmäßiger Temperatur passiert praktisch gar nichts. Und jede Oberfläche hat Poren. Solange das, was da drin ist, schützt und nicht nach oben steigt, ist der allergrößte Teil geschützt.
Perfekt ist natürlich nichts. Leder braucht Schutz - also auch Fett. Und das dünstet aus und wandert überall hin, z.B. in den Verschluß. Und das Leder ist angeklebt. Der Klebstoff wandert. In spätestens 100 Jahren ist die Kamera wieder zu reinigen. Juckt mich dann aber nicht mehr.
Tengor:
.. Phosphorsäure wird in Werkstatt und Industrie zum *Entfernen* von Rost genommen und da ist mir eine möglichst hohe Konzentration lieber.
Klar, habe verstanden.
Starke Säuren futtern aber nicht nur Rost, sie vergreifen sich auch anderweitig
Unter anderem an den hauchdünnen Schutzschichten. Denen, die ab Werk drauf sind. Und denen, die, wenn's gut ging, durch die alltäglich wirkende Korrosion ganz langsam entstanden sind. Da wirken z.B. die Huminsäuren, die überall dort vorkommen, wo es Leben gibt, mit. Wie gesagt, Rost ist der beste Rostschutz. Aber nicht jeder. Starke Säuren zerstören diesen Rostschutz. Im Kleinen gilt kaum noch etwas, was im klass. Maschinenbau gilt.

Im übrigen habe ich schon einmal ein Officine Galileo Aerostigmat behandelt. Sah aus wie frisch aus der Erde gebuddelt, in der es seit WK II gesteckt ist. Es brauchte Tage, bis sich herausstellte, daß es nicht nur ein Haufen Dreck war. Und noch ein paarmal Tage, bis man es einen Schritt weiter zerlegen konnte. Schneller ging nicht. Zuviel Kraft nötig, und das kleinste Steinchen klemmt fürchterlich und gibt große Kratzer. Heute sieht man ihm den früheren Zustand nicht mehr an.

Grüße, Laufboden


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13.10.17 16:29
Tengor

nicht registriert

13.10.17 16:29
Tengor

nicht registriert

Re: Der Zentralverschluss

Laufboden:
P.S.: wenn mir jemand ein probates Mittelchen verrät, mit dem man einen Verschluß von außen zuverlässig und zerstörungsfrei reinigen kann, und zwar so, daß er anschließend läuft, wenn sonst nichts gröberes kaputt war - das würde ich gern ausprobieren

Lieber Laufboden,

bestimmt nicht für Verschlußblätter aus Papier (oder doch??? ist ja nicht wässrig), aber ansonsten könntest Du doch mal für uns ausprobieren: Vergaserreiniger. Das ist praktisch Feuerzeugbenzin in einer Sprühdose mit besonders hohem Druck und kennzeichnet sich in der praktischen Arbeit dadurch, daß es sich binnen Sekunden von selber verkrümelt. Kostet so um 2 Euro pro 500- oder 600-ccm-Dose (im Angebot und/oder online kaufen).
Das Mittel ist um den Faktor geschätzt 10 oder 20 weniger gesundheitsschädlich als die Zigaretten meines früheren Nachbarn, also hoffe ich, dass es nicht schon wieder einen Mini-Shitstorm wegen Gesundheitsfragen gibt .
Ich hab' die Dosen, die von, na was schon, meiner Vergaserinstandsetzung übrig geblieben sind, geplant für eine mechanische Schreibmaschine und eine Wandpendeluhr. Die Pendeluhr habe ich vor ca. 18 Jahren schon mal gesundheitsschonend von Hand gereinigt: in eine unbenutzte Lacksprühpistole Nitro-Verdünnung gefüllt und per Kompressor die Lager durchgeblasen. Uhrenöl "3-5" am Ende eines Zahnstochers drangetan, hat bestens funktioniert (gibt's eigentlich für Kameras auch extra Öle? Das hier hat zweistellige D-mark für dreieinhalb Kubikzentimeter gekostet ). Aber die sind noch soo weit hinten in der Pipeline (hab' diesen Sommer erstmal mein Haus ausgebuddelt und zwei Tonnen großenteils selbst ausgesiebten Zierkieses drumrumgeschüttet, nachdem ich das Schlitzrohr unten drin hübsch eingepackt habe - paar Bilder sind jetzt unter "unsere Fotos" ).



Viele Grüße,

Hannes :)

Zuletzt bearbeitet am 13.10.17 16:53

13.10.17 20:06
Laufboden 

BZF-Master

13.10.17 20:06
Laufboden 

BZF-Master

Re: Der Zentralverschluss

Hallo Tengor,

Tengor:
Laufboden:
P.S.: wenn mir jemand ein probates Mittelchen verrät, mit dem man einen Verschluß von außen zuverlässig und zerstörungsfrei reinigen kann, .. das würde ich gern ausprobieren
bestimmt nicht für Verschlußblätter aus Papier (oder doch??? ist ja nicht wässrig), aber ansonsten könntest Du doch mal für uns ausprobieren: Vergaserreiniger. Das ist praktisch Feuerzeugbenzin in einer Sprühdose mit besonders hohem Druck und kennzeichnet sich in der praktischen Arbeit dadurch, daß es sich binnen Sekunden von selber verkrümelt. Kostet so um 2 Euro pro 500- oder 600-ccm-Dose (im Angebot und/oder online kaufen).
Bei Papierblenden: gar nicht erst versuchen.
Sonst: überlege ich mir noch, vielleicht versuche ich das. Aber als gelernter Schwabe lieber, wenn's ein andrer für mich ausprobiert ...
Tengor:
Uhrenöl "3-5" am Ende eines Zahnstochers drangetan, hat bestens funktioniert (gibt's eigentlich für Kameras auch extra Öle? Das hier hat zweistellige D-mark für dreieinhalb Kubikzentimeter gekostet ).
Ich meine ja. Könnte aber letztlich doch auf Uhrenöl hinauslaufen. Habe im Hinterkopf, vor Jahren anderes gelesen zu haben - war mir aber trotzdem zu teuer. Denn selbst die teuren Öle dürften eher bei stark benutzten Kameras sinnvoll sei. Meine alten sind Sammlerkameras, die wenig benutzt werden. Selbst das teuerste Öl ist dann eher geeignet, den Dreck, der im Lauf der Jahre ins Werk kommt, zu binden und die nächste Reingung nötig zu machen.
Die Antwort auf diese Frage müßte in meinen gesammelten Downloads zur Reparatur stehen. Habe etliche davon durchgelesen - allerdings die eher professionellen.
Und dort steht oft genug nur etwas wie "nur wenn's nicht anders geht: auf diese oder jene Weise ganz, ganz vorsichtig und wenig ölen".

Auch im Web habe ich nochmal gestöbert.
Die interessanteste Seite, die mir neu war:
http://microscopy-uk.org.uk/mag/indexmag.../rp-repair.html

Ansonsten gab's eine Reihe Caveats und Tips, zusammengefaßt i.w.:
  • Für Copal wird, wenn nötig empfohlen (nötig sei's aber meist nicht), daß man ein klein wenig Öl auf alle sich drehenden Teile gibt und etwa eine Stunde lang einwirken läßt. Danach ist das Öl mit Lösemittel zu entfernen. Das helfe, getrocknetes Öl zu entfernen, zudem könne man damit Rost z.B. aus den Wellen entfernen. Danach ganz, ganz wenig Öl nur in dem Fall in die Lager geben, wenn das Ganze nicht richtig läuft - i.d.R. nur bei sehr alten bzw. stark abgenutzten Verschlüssen sinnvoll (Anmerkung: Öl ist immer ein Risiko und kann den Verschluß sehr schnell alt werden lassen!)
  • Gleichzeitige Anwendung von Öl und Graphit kann dazu führen, daß irgendwann nichts mehr läuft.
    Anm.: wenn's soviel Öl ist, daß die Graphitkügelchen festsitzen, ist das klar. Von Öl, das weniger als Uhrmacheröl kostet, wird jedoch gern zuviel 'reingekippt ...
    Anm.2: Selbst die Fette mancher Hersteller neigen dazu, im Lauf der Jahre zu verharzen. Berüchtigt ist die grüne Agfa-Schmiere (Schmiere? Bestes Klebeharz!!). Und gerade in der Nachkriegszeit haben manche Hersteller soviel Fett zugegeben, daß zuerst alles ganz leicht läuft - naja, die Garantiezeit übersteht das locker, ohne zu verharzen und ohne die Gläser zuzukleben.
  • Die meisten Verschlüsse sind für Trockenlauf konstruiert
  • Verschlüsse mit metallener Blende (dazu gehört u.a. in aller Regel der Rädchen-Compur NICHT): man kann versuchen, ihn ein bis zwei Tage in Lösungsmittel zu baden, dies kann klappen, wird zumeist jedoch fehlschlagen. (Anm.: habe ich manchmal versucht, hat auch mal geklappt, wenn nicht ist man nach meiner Erfahrung dümmer dran als zuvor).
  • Für verrostete Blendenlamellen einer Industar wird Brünierung empfohlen und beschrieben. Die dort beschriebene Gesamtprozedur werden die meisten mir bekannten Blendenblätter aber kaum heil überstehen ... russische Technik ist eben ein wenig anders. Abgesehen davon gilt, daß es für Amateure schwierig und immer mal wieder unmöglich ist, eine zerlegte Blende wieder zusammenzusetzen. (Anmerkung: Mäßig verklebte Blenden sind zumeist unzerlegt ausreichend reinigbar. Blenden zerlegt man ja eigentlich ohnehin nur dann, wenn sie nicht funktionieren. Das ist meist genau dann der Fall, wenn's zu spät ist. Sitzen die Blendenblätter in einem beidseitig zugänglichen Käfig, hat man vergleichsweise gute Chancen, ist die Rückseite Gehäuseteil, sieht's mau aus. Denn hat man die Blende endlich soweit - und das ist weit schwieriger als bei einem Gehäusekäfig! - gibt's beste Chancen, daß sich das eine oder andere Blatt bei einer der ersten Verstellungen selbständig macht, weil die Löcher im Gehäuseteil ausgeapert sind. Die Blendenblätter sollte man nur mit Einmalhandschuhen anfassen. Insbesondere nichtmetallische verformen sich sonst schnell)


Grüße, Laufboden

13.10.17 20:23
Tengor

nicht registriert

13.10.17 20:23
Tengor

nicht registriert

Re: Der Zentralverschluss

Hallo, Laufboden,
(wenn Du nicht irgendwann mal einen Ansprechnamen nachlieferst, weil man hier in diesem Forum halt Ansprache und Schlußformel erwartet, werde ich Dich irgendwann unter "bode" anquasseln ;) ),

danke, hochinteressant!
Das habe ich nun schon an sehr vielen Fundstellen gelesen, daß man die Compur-Verschlüsse einfach trocken lassen soll. Klar, es geht ja keiner mit einer sammelwürdigen Balgenkamera tausende Fotos für die Presse machen, und zum nostalgischen Austesten mit 12 oder 24 Aufnahmen braucht man keine Hi-tech Schmierstoffe.
Tja, "Klebeharz" ... es geht das Gerücht, Zeiss-Ostzone konnte sich für ihre Mikroskope kein gutes Fett leisten, nur Vaseline. Deswegen sind die schwarzen C-Mikroskope von dort auch nach 50 Jahren noch wie neu bedienbar, während die Zeiss-West Mikroskope nur mit radikalen Maßnahmen (es heisst, Optiker haben die Dinger in Kriechöl gebadet und den Lehrling vergattert, mit beträchtlicher Handkraft den Tubus eine Stunde lang ununterbrochen rauf und runter zu drehen - genau die Methode, mit der ich dann mal so ein wunderschönes Gerät wieder für Jahrzehnte gängig gekriegt habe) restauriert werden konnten.
Ich bin kein Schwabe, sondern im Land der Todfeinde, in Baden, aufgewachsen (und ich verlange nach wie vor, dass die unnatürliche Hochzeit von Baden und Württemberg aufgehoben wird! Da stehe ich voll in der Tradition des Hausmeisters Arnegger in meiner alten Schule in Freiburg, der am Jahrestag die Nationalflagge von Baden öffentlich ausgebracht hat, gegen jedes arbeitsrechtliche Verbot!!). Dennoch wollte ich Dir wenigstens die Idee nahelegen, das mit dem Vergaserreiniger auszuprobieren. Die halbe Bastlerwelt, von denen die meisten Einspritzmotoren-user eh noch nie einen Vergaser gesehen haben, nutzt die Dosen für was Anderes. Und Vorsicht, ich schätze, der Innendruck kann eine Verschlußmembran locker in den nächsten Ortsteil befördern ;) .



Viele Grüße,

Hannes :)

Zuletzt bearbeitet am 13.10.17 20:32

13.10.17 22:32
Laufboden 

BZF-Master

13.10.17 22:32
Laufboden 

BZF-Master

Re: Der Zentralverschluss

Hallo Tengor,

Erstmal 'n kleiner Nachtrag:
zum vorsichtigen(!) Trennnen verklebter Blendenblätter nehme ich die Blätter einer Distanzlehre, am liebsten die mit 0.05mm und 0.1mm Dicke.
Die sehen betrübt ob solcher Arbeiten schon etwas geknickt aus .

Noch etwas habe ich zugelernt: Q-tips aus Baumwolle können Quarzteilchen enthalten, die Linsen verkratzen können.
Ist mir zwar noch nicht passiert bzw. nicht aufgefallen, aber fast alle meiner Objektive sind unvergütet und damit erheblich unempfindlicher als vergütete.
Man sollte besser solche aus Kunstfaser nehmen.

Tengor:
.. während die Zeiss-West Mikroskope nur mit radikalen Maßnahmen (es heisst, Optiker haben die Dinger in Kriechöl gebadet und den Lehrling vergattert, mit beträchtlicher Handkraft den Tubus eine Stunde lang ununterbrochen rauf und runter zu drehen - genau die Methode, mit der ich dann mal so ein wunderschönes Gerät wieder für Jahrzehnte gängig gekriegt habe) restauriert werden konnten.
Das ging nicht nur bei Zeiss so.
Ich habe zwei Beispiele erlebt, und bei beiden war's eine Art Henne-Ei-Problem: Um den Dreck zu entfernen, muß das Ganze zerlegt werden. Zerlegen geht aber nur, wenn der Dreck weg ist.

Ein ähnliches Procedere wie beim Mikroskop habe ich schon mehrfach beim Gängigmachen der Entfernungseinstellung einer Agfa Standard ausprobiert.
Da verbietet sich allerdings Kriechöl - zuerst muß der Verschluß weg.
In zwei Fällen Fall war die schreckliche grüne Pampe allerdings schon überall hingelaufen, in einem Fall die Hälfte in den Verschluß, und natürlich längst steinhart.
In diesem Fall war und blieb die Blende ein harter Klumpen. Zum Glück hatte ich ein Ersatzobjektiv.

Statt Kriechöl kann Wärme ein wenig helfen - soviel, wie man sich noch traut. Bei 60° beginnt das Zeug sich hartnäckigem Drängen gaaanz langsam zu beugen, und dann kann man beginnen, dünnflüssiges Öl zuzufügen - was aber wiederum den Verschluß weiter gefährdet.

Bei einer vor Jahren ersteigerten Bergheil wunderte ich mich zunächst - sollte die wirklich keine Seitverstellung haben?
Die Libelle oben an der Standarte wollte ich nicht gefährden. Heute weiß ich, daß sie eingeklebt ist und bei Wärme einfach herausfällt. Hat man dann eine (am besten weiße - und weißbleibende!) Klebepampe, kann man sie wieder einkleben.
Erst nach längerem Baden der Standarte konnte ich den Knopf ein paar Grad drehen und ein paar Tropfen Öl zugeben - weiter hätte ich, wie ich erst nachher wußte, nicht drehen dürfen. Im Standartenrohr drehte sich noch längst nichts, ich hatte nur das Spiel bis zum äußersten ausgereizt. Beim Drehen des Knopfes ist Vorsicht angebracht, sonst bricht eines der Übertragungsglieder (wenn's der Vorbesitzer nicht ohnehin schon mit Gewalt ruiniert hat). Das Ganze artete in eine mehrstündige Schlammschlacht aus, gegenüber der die im ärgsten Agfa-Standard-Fall vergleichsweise harmlos war. Da hatte irgendjemand, um Beweglichkeit zu erreichen, immer mehr von dem Fett zugegeben, solange, bis das Rohr prall gestopft mit ausgehärtetem Harz war ...
Ahnungslos, wie ich am Anfang war, saß ich bald im Wohnzimmer und traute mich kaum von der Stelle, also auch nicht in den Hobbykeller, weil alles an mir von dieser langsam flüssiger werdenden Pampe tropfte ..

Grüße, Laufboden

14.10.17 10:13
Argus 

BZF-Nutzer Stufe 2

14.10.17 10:13
Argus 

BZF-Nutzer Stufe 2

Re: Der Zentralverschluss

Sehr interessant. Und ich bin somit ziemlich froh, dass `mein´ Zentralverschluss gut funktioniert, wenn ich mir die alternativen Möglichkeiten und Vorgehensweisen hier so durchlese. Andererseits weiß ich nun, wohin ich mich wenden kann, falls es doch ZV-Probleme geben sollte.

Schönes Wochenende!

Argus


Lokus, Fokus, Zentralverschluss.

14.10.17 13:14
Laufboden 

BZF-Master

14.10.17 13:14
Laufboden 

BZF-Master

Re: Der Zentralverschluss

Argus:
Sehr interessant. Und ich bin somit ziemlich froh, dass `mein´ Zentralverschluss gut funktioniert, wenn ich mir die alternativen Möglichkeiten und Vorgehensweisen hier so durchlese. Andererseits weiß ich nun, wohin ich mich wenden kann, falls es doch ZV-Probleme geben sollte.
Zumeist funktionieren die alten Verschlüsse überraschend gut - aber leider nicht alle. Das gilt wenigstens dann, wenn sie gut geputzt sind - was in den meisten Fällen erfordert, sie zu öffnen. Professionelle Reinigung schließt zwar komplettes Auseinandernehmen und wieder Zusammensetzen ein - das ist für Amateure wie mich glücklicherweise nicht nötig - und viel zu riskant (u.a. erhöhte Gefahr von Federbruch), und der Zusammenbau ist erheblich schwieriger als das Zerlegen. Wirklich nötig wäre es eigentlich nur, wenn Teile ausgetauscht werden müssen - aber welcher Amateur hat passende Ersatzteile?
Bei luftgesteuerten ist auch nach Gängigmachen des Zylinders Präzision nicht immer erreichbar, auch wenn es z.T. eine von außen verstellbare Einstell'schraube' gibt (naja, man sieht etwas, das man erstmal für den Kopf einer Schrauben mit Schlitz hält). Wenn man sich dann klarmacht, daß das Ganze nicht die Präzision einer Uhr braucht - 10% Abweichung sind mehr als genau genug!*) - und daß schon die Alten sich ggf. gemerkt haben "die Sekunde dauert eine halbe, alles kürzer als 1/10s ist hinreichend genau" oder "die Sekunde belichtet drei Sekunden lang", und wenn man zudem weiß, daß luftgesteuerte eher mehr als weniger lang brauchen bis zum nächsten Schuß, klappt es nur in den Fällen nicht, in denen der Verschluß nicht zeitkonstant tickt.
Die Blende der allermeisten Deckel-Verschlüsse (Compur, Compound) ist o.k., AGC (Gauthier) war außer am Anfang von Zeiss verpflichtet, etwas 'schlechtere' Verschlüsse zu bauen, Ernemann mußte die Produktion der sehr soliden Cronos-Verschlüsse ganz einstellen. Die besseren Verschlüsse von deutschen Herstellern sind auch heute im Mittel nur wenig schlechter als die von Deckel (z.B. Koilos, IBSO, IBSOR, Pronto, Prontor von Gauthier=AGC, Cronos von Ernemann, Delta von Krügener), Rulex wiederum wirkt eher als etwas besser als Compur - und wanderte wegen der Marktdominanz, ja -arroganz von Zeiss nach Japan aus. Wobei die ohnehin kurze Zeitenreihe der ganz einfachen Verschlüsse zu recht seltsamen tatsächlichen Zeiten führen kann und Einstellbemühungen Erinnerungen an billiges asiatisches Spielzeug wecken. Einfachere Verschlüssen sind in aller Regel deutlich anfälliger für Fehler, u.a. Blendensalat. Vario-Verschlüsse für GF-Kameras (9x12cm Format) sind allerdings selten, funktionierende noch seltener - Ersatz durch bessere AGC-Verschlüsse sinnvoll, leider sind die meist bereits vergeben, auch weil bei manchen die Blende k.o. war.
Nur die Russen - Fotokor - haben in größerem Maß Vario-ähnliche Verschlüsse (GOMZ), allerdings eher als Ersatz für Compur, eingebaut, aber da die Fotokor sich in der Sammlung zwar gut macht, doch nur solange man sie nicht in der Hand hält, spielt das hier kaum eine Rolle.
Frühe deutsche Verschlüsse wie der Delta sind letzlich US-Verschlüssen nachgemacht, die Japaner wiederum dominieren heute, ausgehend vom deutschen "Auswanderer" Rulex, den Markt der Zentralverschlüsse.

Grüße, Laufboden

*) so manche 1/1000-Sekunde einer Spiegelreflex war fast identisch zur 1/500-stel, und kaum jemand hat das bemerkt

15.10.17 09:34
Rainer 

Administrator

15.10.17 09:34
Rainer 

Administrator

Re: Der Zentralverschluss

Hallo zusammen,

Tengor hat seinen account selbst gelöscht. Sehr bedauerlich, aber sollte es an seiner Anmerkung liegen, Nutzer Laufboden zur Nennung seines Klarvoramens zu bewegen, dann will 18.10.17 ich zu den Forum- und eventuellen Klarnamen folgendes erwähnen:

Alias-Namen sind in Foren Grundlage, um einen Nutzer ansprechen zu können. Siehe Punkt 5 der Forumregeln. Das zusätzliche Nennen des Klarvornamens ist optionell und freiwillig.
Nutzer können ihren Namen nennen, müssen das aber nicht. Die beispiehafte Anrede "Hallo Tengor" würde im Sinne der Forumregeln ausreichen. Und genau so ist es in den Forenregeln niedergelegt.

p.s. Nachtrag vom 18.10.17: Es gibt eine Ergänzung zur von mir weiter oben angemerkten Vermutung (durch "sollte" ausgedrückt) über den Grund der Accountlöschung weiter unten in diesem Thread.



Grüße von Haus zu Haus
Rainer (Forumbetreiber)

Aus Negativ wurde Positiv. Pixel sind nicht alles, aber ohne Pixel ist alles nichts.
Fotoapparate sind Zeitmaschinen, sie können die Vergangenheit erhalten.
Ein Leben ohne Facebook ist möglich, aber (und) sinnvoll.

Zuletzt bearbeitet am 18.10.17 09:20

15.10.17 10:49
Laufboden 

BZF-Master

15.10.17 10:49
Laufboden 

BZF-Master

Re: Der Zentralverschluss

Hallo Rainer,

Rainer:
Tengor hat seinen account selbst gelöscht. Sehr bedauerlich, aber sollte es auch an seiner Forderung liegen, von Laufboden die Nennung seines Klarnamen zu erzwingen:
Alias-Namen sind in Foren Grundlage, um einen Nutzer ansprechen zu können. Siehe Punkt 5 der Forumregeln. Das zusätzliche Nennen des Klarvornamens ist optionell und freiwillig.
Nutzer können ihren Namen nennen, müssen das aber nicht. Die beispiehafte Anrede "Hallo Tengor" würde im Sinne der Forumregeln ausreichen.
schade - er hat interessante Beiträge gemacht und damit Akzente gesetzt.

Ob ein Vorname aber, da ohnehin erstmal nicht überprüfbar, wirklich etwas verändert hätte?
Klarheit hätte er nur vorspiegeln können.

Was ich in Foren im Lauf der Jahrzehnte erlebt habe, ließ mich vorsichtig werden. Manche baben die Verwendung ihres Klarnamens bitter bereut.
Nein, sie hatten in Foren nichts geschrieben, was zu ihrem Nachteil ausgelegt hätte werden können.
Das waren dann andere, die deren Identität mißbrauchten.

Zwar ist die Anonymität im Netz sowieso Fiktion, aber das heißt nicht, daß es sinnvoll ist, auf sie zu verzichten.
Gegen professionelle Datensammler ist man machtlos. Ein Webhoster, der von mir nichts als Aliasnamen bekommen hatte, die ich sonst nirgendwo verwendet habe, hat mich übrigens eines Tages mit vollem Namen und voller Adresse angeschrieben.
Man kann sicher sein, daß da manch "Sammler" - Fakebuch, Kugel etc - sowieso alles zusammenträgt und zu verknüpfen sucht.

Grüße, Laufboden

18.10.17 09:43
Rainer 

Administrator

18.10.17 09:43
Rainer 

Administrator

Re: Der Zentralverschluss

Hallo zusammen,

es gab einen E-Mail- Kontakt zu "Tengor", Hannes. Dort legte er dar, dass meine Vermutung nicht DER Grund seiner Accountlöschung wäre. Das ist der Grund, warum ich meinen Beitrag vom 15.10.17, 9:34 Uhr editiert habe! Wenn ich es richtig verstanden habe, liegt die Eigen-Account-Löschung NICHT an dem von mir vermuteten Grund. Das gebe ich hiermit bekannt.

Warum hatte ich überhaupt einen Hinweis auf die Account-Löschung gegeben? Weil ich telefonisch und per email von Foren-Nutzern / Besuchern kontaktiert wurde, wo nach dem Grund der Löschung gefragt wurde.

Dabei wurde auch die Vermutung geäußert, ICH hätte den Account gelöscht. Warum sollte ich das machen? Waren doch die die Beiträge von Tengor immer substantiell.

Danke Übrigens für die Einschätzung meines Charakters


Was habe ich wieder mal gelernt? Es ist nicht ganz einfach ohne anzustoßen, die Aufgabe eines Forum-Betreibers wahrzunehmen. Ich meine damit, meine "schnell zwischen ALLEN Stühlen sitzen" - Theorie. Forum -Betreiber wollen Gutes erreichen , schaffen aber böses (nach Goethe)?

Also, ich hoffe etwas zur Klarheit beigetragen zu haben und dass dieser Beitrag nicht neue Unklarheiten oder Missverständnisse generiert.

Grüße von Haus zu Haus
Rainer (Forumbetreiber)

Aus Negativ wurde Positiv. Pixel sind nicht alles, aber ohne Pixel ist alles nichts.
Fotoapparate sind Zeitmaschinen, sie können die Vergangenheit erhalten.
Ein Leben ohne Facebook ist möglich, aber (und) sinnvoll.

Zuletzt bearbeitet am 18.10.17 09:47

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Compur-Zentralverschlusses   Entfernungseinstellung   Zuletzt   Verschlußblätter   Zentralverschlüsse   Verschluß   Phosphorsäure   Wasserhahn-Abschlüsse   Zentralverschluss   Laufboden   bearbeitet   gesundheitsschädlich   können   Rostumwandler-Werbung   Vergaserinstandsetzung   Grüße   Eigen-Account-Löschung   Forumbetreiber   Zeitmaschinen   DDR-Zentralverschlüsse